Fremde Länder bereisen, andere Kulturen kennen lernen, Menschen begegnen -
alles schön und gut. Aber ein ordentlicher Gipfel darf schon dabei sein,
finden Sie nicht? Der muss ja nicht unbedingt am Ende der Welt liegen. Ein
geglückter Boulder in Buchenhain kann euphorischer stimmen als ein
Himalayariese. Weshalb mein Motto lautet: "Der Everest ist überall".

PIK KOMMUNISMUS
(7495 Meter)
Was war das Schönste am Kommunismus? Richtig: Dass man ihm aufs Dach steigen
konnte. Daher nahm ich die wiederholte Aufforderung meines Sozialkundelehrers
"Dann geh doch rüber!" wörtlich und reiste 1990 in die UdSSR. Dort lehrten
mich die Improvisationsgabe und die Spontaneität der einheimischen
Bergsteiger, dass die Planwirtschaft spätestens im Basislager in ihre Grenzen
gewiesen wird. Und dass bei der gemeinsamen Gipfelfreude auf 7500 Meter der
Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus vollends bedeutungslos wird.
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Ama Dablam
(6851 Meter)
Völlig überraschend kam ich im Oktober 2002 noch in die angenehme Verlegenheit einen der wohl schönsten Berge der Erde zu führen. Der Südwestgrat, der Normalweg der Ama Dablam, war das Ziel der Amical Alpin Expedition. Die Schwierigkeiten dieser Route sind durchaus beträchtlich, so müssen erst einmal eine Felsstelle im sechsten Grad, längere Strecken in anspruchsvollen Mixedgelände und zur Krönung ein stark überwächteter Grat übergeklettert werden, bevor man das letzte Lager auf etwa 6400 Metern Höhe aufschlagen kann. Wer dann die steile Gipfelflanke und insgesamt 2,5 km Fixseile hinter sich gelassen hat, kann ein gewaltiges Panorama bestaunen. Vom Everest, Lhotse, Nuptse, Makalu, Cho Oyu, Pumori, Gauri Shankar, Shisha Pangma reicht der Blick. Sicher für jeden Bergsteiger ein eindrucksvolles Erlebnis auf diesem Berg stehen zu dürfen.
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Gurla Mandata (7728 Meter)
Am 22. Mai 2002 glückte mir, zusammen mit sieben Freunden, die vierte Besteigung der Gurla Mandata. Dieser technisch einfache Berg, im Westen Tibets, wurde bei uns durch Herbert Tichys Buch "Zum heiligsten Berg der Welt" (1937) bekannt. Dennoch war es seit damals nicht vielen Expeditionen vergönnt, eine Genehmigung für diesen schönen Berg zu bekommen.
Zwei Erlebnisse dieser Unternehmung aber werden mir ewig in Erinnerung bleiben. Zum einen, der ungeheure Teamgeist, mit dem uns die Bergung zweier Schwerverletzter aus 7500m Höhe gelungen ist. Zum anderen die endlose, insgesamt acht Tage dauernde, Jeepfahrt durch die "Wüstenlandschaft" Tibets.
Manchmal ist dann die Frage durchaus berechtigt, was wir Bergsteiger in den "letzten" Winkeln der Erde suchen.
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K2 (8611 Meter)
Ich war 24 Jahre jung, so jung wie kein anderer davor, als ich
auf dem Gipfel des K2 stand. Nicht nur wegen der endlosen Kartenspiele im
Basislager und der dünnen Höhenluft ist mir der "schönste und schwerste
Achttausender" lebhaft in Erinnerung geblieben. Schon eher wegen der
Tatsache, dass ich den Gipfelerfolg nicht richtig genießen konnte. Denn rein
statistisch gesehen überleben 50 Prozent der K2-Bezwinger den Abstieg nicht.
Zu welcher Hälfte würde ich gehören? Tatsächlich blieb mir ein ausgewachsener
Höhensturm zwischen Lager 4 und Lager 3 nicht erspart. Zum Glück, und das
meine ich wörtlich, denn man hat in der Todeszone nicht immer alles im Griff,
konnten wir unsere Köpfe gerade so aus der Schlinge ziehen. Die traurige
Statistik hat sich seither leider nicht verbessert.
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CERRO TORRE (3102 Meter)
Der schwierigste Berg der Welt? Wenn es da nicht die sogenannte
"Kompressorroute" von Cesare Maestri gebe. Von Begehungen dieser absurden
Route abgesehen, hat der Cerro Torre bis heute nur eine Handvoll Besteigungen.
Tom Dauer und ich hatten 1998 die ein wenig frostige Idee, die erste Winterbegehung
der "Ferrari-Route" an der Westseite des Cerro Torre zu versuchen.
Westseite, das bedeutet, dass wir uns den berüchtigten Stürmen Patagoniens
ungeschützt aussetzen wollten. Kein Handy, kein Funk, kein Satellitentelefon,
keine Fixseile. Nur zwei Menschen mit Verpflegung für zwölf Tage und einer
Handvoll Eisschrauben. Wir haben es zwar nicht ganz auf den Gipfel geschafft,
da uns der Mut verlassen hat. Unser größtes Abenteuer haben wir allemal
erlebt.
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CERRO DOS CUMBRES (3249 Meter),
CERRO RINCÓN (2234 Meter)
So groß wie Mecklenburg-Vorpommern ist das Hielo Continental Sur, das
patagonische Inlandeis. Damit ist es die größte Gletscherfläche außerhalb der
Polarregionen. Mitten aus dieser Eiswüste erhebt sich der Cordón Mariano
Moreno, eine Bergkette, die äußerst selten besucht wird. Unserer
Kleinexpedition gelang es, den Cerro Dos Cumbres im Alpinstil zu besteigen.
Ein Abenteuer, das sich abseits der viel begangenen Wege abspielte. Das etwas
Besonderes war. Auch weil Tom Dauer einen 30minütigen Film mit dem Titel
"Patagonien im Kopf" über unsere Expedition realisieren konnte. Und weil
sich damit neue Perspektiven eröffneten.
Ganz nebenbei gelang uns auch noch die zweite Besteigung des Cerro Rincón über eine
neue Route.
Interview
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FITZ ROY (3405 Meter)
Am 11.11.2003 gelang mir eine besondere Besteigung des Fitz Roy 3405m in Patagonien.
Ich konnte meinen langjährigen Freund und Gast Claus Haberda auf den Gipfel führen. Uns gelang dabei die anspruchsvolle Supercanaleta auf der stürmischen Westseite des Bergs. Die Schwierigkeiten in der Route, einer der leichteren an diesem Berg, sind beachtlich. Fels bis zum oberen sechsten Grad sowie Eispassagen bis 90 Grad müssen dort bewältigt werden. Es ist deshalb kaum verwunderlich, das diese Route noch nie ein anderer Bergführer führen konnte.
Wir hatten drei perfekte Tage zur Verfügung, allerdings reichten uns schon 21 Stunden des zweiten Tags um wieder gesund und munter zurück am Einstieg zu stehen. Für uns beide werden die 15 Minuten am Gipfel unvergesslich bleiben!
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NANGA PARBAT (8125 Meter)
Traumjob mit perfektem Ausgang. Im Mai/Juni 2004 gelang es mir eine Amical Alpin Expedition, an der Diamirflanke des Nanga Parbat, äußerst erfolgreich zu leiten. Zusammen mit sieben Teilnehmern, von insgesamt acht, standen wir am 18. Juni 2004 auf diesem von Mythen umgebenen 8000er. Nach nur 23 Tagen im Basislager, unglaublich stabilem Wetter und 2km angebrachten Fixseilen hatten wir es geschafft. Der Abstieg erforderte nochmals unsere gesamte Aufmerksamkeit. Bis zu 60° steiles Gelände, tückischer windgepresster Schnee, beschädigte Fixseile und die permanente Ausgesetztheit lassen es für mich immer noch wie ein Wunder erscheinen, dass alle sicher ins Basislager zurückgekehrt sind. Leider waren die fünf Minuten am Gipfel diesmal nicht so berauschend. Ein starker Wind und eisige Kälte ließen es nicht zu länger auf dem Gipfel zu bleiben. Gerne hätten wir ausgiebig am Gipfel gefeiert und ein gemeinsames Gipfelbild gemacht!
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GASHERBRUM II
Im Sommer 2006 gelang mir zusammen mit David Göttler wieder einmal eine ganz besondere Führung. Am 10.07.2006 konnten wir zusammen mit 11 Mitgliedern unserer Amical Expedition den Gipfel dieses schönen 8000er erreichen. Bei Sonnenaufgang und allerbesten Bedingungen verwirklichten wir einen Traum für unsere Teilnehmer, einmal in ihrem Leben auf einem 8000er gestanden zu haben. Fast eineinhalb Stunden konnten wir das gewaltige Panorama genießen. Besonders oft schaute ich natürlich zum K2 hinüber. Gerne erinnerte ich mich an die Expedition 1994 dorthin, als mir mein größter bergsteigerischer Erfolg gelang.
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